Erfahrungsbericht
Kommunikation ist mehr als sprechen
Mit anderen Menschen in Kontakt treten und sich austauschen: das ist ein menschliches Grundbedürfnis. Aber wie steht es um die Kommunikation von Menschen, die keine oder nur eine geringe Lautsprache haben? Was muss man als Einrichtung zu diesem Thema wissen? Und wie kann Unterstützte Kommunikation helfen? Maria Hirczy im Interview.
Wie können Menschen lernen, unterstützt zu kommunizieren?
Menschen lernen Sprache über Beziehung und gemeinsames Tun in natürlichen Situationen. Das gilt auch für die Unterstützter Kommunikation – kurz UK. Indem das Umfeld im Alltag Gebärden, Symbole, Gegenstände, Talker oder Berührungen als kommunikative Unterstützung benutzt, lernt die Person, wie sie auch ohne Lautsprache kommunizieren kann. Dieses Prinzip nennt man „Modelling“ und es ist eine Voraussetzung, um Unterstützte Kommunikation nachhaltig im Alltag anwenden zu können. Dafür braucht es viel Geduld, Wiederholungen und Kreativität.
UK-Berater:innen oder Logopäd:innen unterstützen bei diesem Prozess – vor allem das Umfeld, damit auch sie lernen, unterstützt zu kommunizieren. Optimalerweise beginnt man so früh wie möglich damit. Die gute Nachricht: es ist nie zu spät!
Was bedeutet es für Menschen, die nicht über Lautsprache kommunizieren, wenn sie sich ausdrücken können?
Viele Menschen, die nicht oder nur sehr wenig sprechen können, haben Möglichkeiten gefunden, sich mitzuteilen. Leider werden sie dann „nur” von ihren Bezugspersonen verstanden oder es kommt zu Missverständnissen. Mit Unterstützter Kommunikation können sie auch außerhalb des Betreuungssettings oder der Familie mit anderen Menschen in Kontakt treten. Das bedeutet einen großen Gewinn an Selbstbestimmung und Teilhabe. Sie können aktiver am Geschehen teilnehmen. Ich stelle mir das sehr befreiend vor.
In welchen Einrichtungen von alpha nova kommt UK zum Einsatz?
Unterstützte Kommunikation ist überall da notwendig, wo Menschen vorübergehend oder dauerhaft Schwierigkeiten haben zu sprechen. Außerdem wird Unterstützte Kommunikation auch eingesetzt, damit Betreuungspersonen Informationen verständlich weitergeben können.
Zum einen ist in der Frühförderung und im Familienentlastungsdienst Unterstützte Kommunikation ein großes Thema. Dort werden Kinder betreut, die einen verzögerten Spracherwerb zeigen. Mit Unterstützter Kommunikation kann der Spracherwerb unterstützt werden. Sollte Verbalsprache nicht möglich sein, wird Unterstützte Kommunikation von Anfang an eingesetzt.
Aber auch bei erwachsenen Menschen in Tageszentren oder Wohnhäusern ist Unterstützte Kommunikation im Alltag verankert. Es wird das gesprochene Wort mit Gebärden unterstützt, Tagespläne werden mit Hilfe von Piktogramme besprochen oder es kann mit einem Sprachausgabegerät vom Tag erzählt werden. Wichtig dabei ist, die vielen Funktionen von Sprache zu fördern – erzählen, benennen, fragen, antworten, auffordern und fordern.
Der Kreativität und Freude am Austausch sind kaum Grenzen gesetzt. So können gemeinsam Bücher gelesen und wichtige Wörter mit Gebärden oder Bildern unterstützt werden, Lieder mit Piktogramme begleitet werden oder eine Kommunikationstafel beim Kochen helfen, den nächsten Arbeitsschritt zu besprechen.
Maria Hirczy – UK-Fachkraft und Psychologin – ist bei alpha nova für den Bereich Unterstützte Kommunikation zuständig.
Frei zugängliche Materialien sowie (elektronische) Hilfsmittel findest du bei METACOM und der Beratungsstelle LIFEtool Beratungsstelle Graz.